Weingut Schlössli - Schafis am Bielersee

René Gabriel auf dem Weingut Schlössli 2011
René Gabriel auf dem Weingut Schlössli 2011 de

Und auch die Weine schmeckten mir an diesem Abend besonders gut und ich fixierte gleich einen Termin in den Sommerferien, um mir diese Bielerseetropfen etwas genauer anzuschauen.

So trafen wir uns am dann halt Donnerstag. Wir begannen mit dem normalen 2010er Chasselas. Teutsch schreibt dort Gutedel auf das Etikett. Schliesslich produziert er in der deutschen Schweiz. Der Wein war leicht, bekömmlich, zeigte feine Harznuancen und wies eine feine Apfelnote von einer Partie auf, die den biologischen Säureabbau nicht durchlief. Also ein Kompromiss an die alte und neue Zeit. Ein sehr guter Chasselas. Als wir dann später in einer gemütlichen Beiz bei Beinschinken und Rösti sassen, tranken wir den Wein wieder. Dort mundete er mir noch mehr. Also da war er mal wieder, der wichtige Unterschied zwischen degustieren und konsumieren. 16/20 trinken

Vom gleichen Gutedel gibt es auch noch eine 2010 Limited Edition Fass 3. Dieser ist ganz ohne Säureabbau und wirkt durch seine duftige Art mit feinen Hefetönen und viel gelben Früchten schon ziemlich anspruchsvoll. Ketzer würden die mangelnde Typizität kritisieren. Ich bewerte ihn aber schon als eher anspruchsvollen, ziemlich grossen Bielerseewein. Mit einem bescheidenen Verkaufspreis von Fr. 13.50 pro Flasche definitiv einen Abstecher nach Schafis wert. 17/20

Der Chardonnay war noch vom Jahrgang 2009, weil dezent im Barrique ausgebaut, sehr elegant mit fein stützender Säure, im Prinzip ein Chablis-Typ. 17/20

Genial der 2010er Sauvignon Blanc! Leicht milchig zu Beginn (das kam von Allier-Barriques), dann viel Pink Grapefruit, Brennesseln und Passionsfruchtanklänge die Balance stammt von etwas Restzucker und zart pfeffriger Säure.* Gehört sicherlich zu den besten Sauvignon Blanc’s der Schweiz!* Mit Fr. 17.50 sehr günstig – aber rar. Es gibt Zuteilungen, aber die Chance, dass man ein, zwei Flaschen bekommen könnte, sind momentan (Stand Ende Juli) noch intakt. Gruss von Gabriel sagen! 18/20

Wunderschön der normale Pinot Noir 2010. Sauber, floral, himbeerig und völlig geradlinig vinifiziert, ein baldiger, tanzender Pinot-Spass.

Im Anschluss verkosteten wir noch ein par Pinot Noir Reserve. Dieser ist logischerweise eine Selektion und wird im Barrique vernünftig ausgebaut. Diese widerspiegelten deutlich die Jahrgangsschwankungen der Region. Der 2006er zeigte sich reif in der Nase und liess aber noch etwas vordergründige, leicht mehlige Tannine auf der Zunge spüren (16/20). Der 2007er war ein burgundischer Pinottraum schlechthin, so einer Art Cambolle-light (18/20). Etwas kühl und reserviert dann wieder der 2008er (16/20). Und vielversprechend der noch nicht ganz ausgerichtete (die Flaschenreife wird’s dann richten…) 2009er mit feinen Sehnen, stützender Säure und guten Muskeln. Er kann der mögliche Nachfolger des ausverkauften 2007ers werden.

Fabian Teutsch hat sich zwar mit der Übernahme des elterlichen Betriebes von aussen hin etwas ins gemachte Nest gesetzt. Aber eine Tradition die weiterleben soll, besteht schlussendlich nicht darin die Asche aufzubewahren, sondern indem man das Feuer weiter gibt.

Wer ehrliche, sauber vinifizierte Schweizerweine sucht, die sich ein kleines Bisschen von den Nachbarnwinzern in der Region abheben und wer einen jungen, erfolgreichen Winzer auf seiner Evolutionstour begleiten will, der kauft bei Fabian Teutsch tolle Weine. Solche die mehr wert sind, als man in dieser Region in der Regel von den Kunden verlangt.

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